Steinbrück im Steinbruch: Abgaben belasten die Kalkindustrie

August 1, 2011 in Aktuelles, Allgemein

Da der Rohstoff Kalk in der Natur nicht vorkommt, muss er aus Kalkstein gewonnen werden. Der Anteil von Kohlendioxid in Kalkstein liegt bei 44 Prozent; somit entstehen bei der Herstellung von einer Tonne Kalk – abhängig Ofentyp und Brennstoffen – 1 bis 1,2 Tonnen CO2. Damit stellt die Verpflichtung, für den Klimaschutz den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern, die Kalkindustrie vor erhebliche Probleme. Das Unternehmen Rheinkalk in Wülfrath, bei dem Peer Steinbrück zu Gast war, produziert im Jahr rund 3 Millionen Tonnen gebrannten Kalk.

Dass die Kosten für den Emissionshandel die belgische Lhoist-Gruppe, zu der Rheinkalk gehört, erheblich belasten, machte Geschäftsführer Olivier Drevon im Gespräch mit Steinbrück deutlich: Irgendwann werde es billiger, Kalk in Nordafrika oder der Türkei zu produzieren, wenn die Kosten für den Emissionshandel zu stark stiegen. Das werde dann weltweit den Ausstoß von Kohlendioxid nicht verringern, sondern im Gegenteil nur noch erhöhen, da zusätzlich Kosten für den Transport entstünden.

Steinbrück sagte zu, in Berlin auf die spezifische Problematik der Kalkindustrie aufmerksam zu machen. Aus seiner Sicht ist es unerlässlich, dass Deutschland ein starker Industriestandort bleibt. „Das hat uns besser durch die Krise gebracht als andere Länder.“

Während Kohlendioxid ein Thema auf europäischer Ebene ist, brennt Rheinkalk ein Thema unter den Nägeln, das in Düsseldorf entstehen könnte. Die Pläne für die Erhöhung des Wasser-Cents sind für Drevon das nächste Ungemach. Denn ohne Kalksteinwäsche ist keine Produktion möglich, so dass eine Wasser-Abgabe das Unternehmen erneut belasten würde. Steinbrück will in dieser Angelegenheit zwischen Industrie und Politik vermitteln.

Vor allem Verlässlichkeit erwartet ein Unternehmen wie Rheinkalk von der Politik, erläutert Michael Liell, Geschäftsführer Vertrieb. Darunter versteht er „Rahmenbedingungen, die für eine gewisse Zeit gelten“, auf die man sich verlassen könne, ohne stets mit neuen gesetzlichen Vorgaben rechnen zu müssen.
Vor Ort erlebte der Bundestagsabgeordnete eine Sprengung im Steinbruch Rohdenhaus. Rund drei Tonnen Sprengstoff braucht das Unternehmen täglich allein in Europas größtem Kalkwerk in Wülfrath. Bei zwei Sprengungen wurden zusammen rund 50.000 Tonnen Kalkstein gelöst, ohne größere Erschütterungen, Lärm oder Staubbelästigung.

Alltag für die Kalkwerker: Zwei bis drei Sprengungen am Tag – immer gegen 11 Uhr vormittags. Die zwölf Skw des Unternehmens bringen das Material zum Brecher, der den Stein zu kleinen Körnungen zermahlt. 96 Tonnen kann ein Schwerlastkrafttwagen dabei transportieren, jeder Skw hat 1.000 PS.

10 Millionen Tonnen Kalkstein werden im Jahr bei Rheinkalk aus den Wänden der Brüche gewonnen. Das gewaschene und gebrochene Material wird entweder als Kalkstein verkauft oder in Öfen bei bis zu 1.200 Grad weiter veredelt.

Die wichtigsten Abnehmer sind die Eisen- und Stahlindustrie, insbesondere für die Stahlherstellung, die chemische und die Glasindustrie sowie die Bauwirtschaft wird Kalk benötigt. In Kraftwerken wird Kalk zur Rauchgasreinigung gebraucht.
Bis zum Jahr 2048 reichen nach Berechnungen von Rheinkalk die Vorkommen in den Wülfrather Steinbrüchen Rohdenhaus und Silberberg. Dann wird die unterste Sohle des Steinbruchs Rohdenhaus 160 m tiefer liegen als heute.

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